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Typische Fragen von Jugendlichen an Schwule und Lesben in der Aufklärungsarbeit

von Gerd-Rüdiger Wiechert und Klaus-Dieter Winietzka

Gesprächsangebote über (Homo-)Sexualität werden von Jugendlichen begierig aufgegriffen. So umfassend wie das Thema ist auch das Spektrum der Fragen, die gestellt werden. In der praktischen Arbeit des Schulprojekts Oberhausen werden folgende Fragen von Schülerinnen und Schülern im Gespräch über Homosexualität am häufigsten gestellt:

In den Gesprächen weiter sich das Thema rasch auf Sexualität generell aus. Bei der Thematik "Auseinandersetzung mit Eltern" etwa erleben Schülerinnen und Schüler eine Überschneidung ihrer Erfahrungen mit denen junger Schwuler und Lesben. In der weiteren Diskussion werden Schwule und Lesben rasch als kompetente Gesprächspartner akzeptiert, da sie offen ihre persönlichen Erfahrungen in das Gespräch einbringen. Helmut Kentler sieht bei Schwulen und Lesben sogar "eine sehr viel größere Nähe zum Sexualleben der Kinder und Jugendlichen" als bei Heterosexuellen und ist der Meinung, daß für Sexualerziehung Schwule und Lesben prädestiniert sind. Sie werden daher auch mit Fragen zur Sexualität generell konfrontiert, die etwa so aussehen können, wie die folgenden, mit denen ein Mitarbeiter des Schulprojekts des Jugendnetzwerks in Schwerin konfrontiert wurde:

Die Intimität eines Gesprächs steigt und damit ändert sich der Charakter der Fragen, je besser die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter es versteht, sich den Schülerinnen und Schülern als gleichberechtigter Gesprächspartner zu präsentieren und auch eigene Erfahrungen durch Beantwortung sehr persönlicher Fragen durch die Schülerinnen und Schüler einzubringen. Wichtig ist neben persönlicher Überzeugungskraft, einen ausreichenden Zeitraum hierfür zur Verfügung zu haben.

Dieser Artikel wurde erstmals in der Broschüre "Let's talk about sex", in der Reihe Materialien zur sozialen und politischen Arbeit des Schwulen Jugendnetzwerks NRW, Band 5, veröffentlicht. Wir drucken ihn mit freundlicher Genehmigung des Schwulen Jugendnetzwerks NRW leicht überarbeitet ab.

[erschienen im Reader "Sch(w)ulbildung", 1994, S. 22 - 24]