SODOM-Logo

SODOM - Wie alles begann

von Volker Mattick

Am Anfang ... nein, jetzt kommt nicht die Geschichte mit dem Himmel und der Erde, auch, wenn der Name nicht ganz unbeabsichtigt Parallelen zu einer bestimmten Bibelstelle nahelegt. Also:

Am Anfang ...

... stand im Juni 1990 ein Aufruf im "Busy Beaver", der Fachschaftszeitung der Informatiker, eine Gruppe für Schwule und Lesben zu gründen. Organisatorinnen und Organisatoren wurden auf der Gründungsveranstaltung am 16 Oktober 1990 durch das große Interesse überrascht.

Offensichtlich hatten viele Lesben und Schwule ein solches Angebot bisher vermißt, jedoch nicht das Engagement oder den Mut besessen, selbst eine solche Gruppe aufzubauen. Videoabende, Gruppentreffen, eine Themenveranstaltung zu "Schwuler Geschichte in Dortmund" und die bis heute bei vielen Ehemaligen, nicht nur wegen des heftigen Wintereinbruchs mit Schnee und Glatteis-Chaos auf Dortmunds Straßen, in lebhafter Erinnerung gebliebene erste Fete im Uni-FH-Club waren Programmpunkte des Premieresemesters der "Schwulen- und Lesbeninitiative an der Uni Dortmund", kurz SLI, wie sich die Gruppe in Ermangelung eines originellen Namens nannte.

Im November 1991 wird die Schwulenarbeit an der Uni ausgeweitet. Frank Walther, Mitglied im SLI-Sprecherrat und bei den "Liberalen Studenten Dortmunds" (LSD) engagiert, wird der erste Schwulenreferent im AStA. Zum erstenmal versucht die SLI, mit "Come Together" einen offenen Abend zu gestalten. Schwulen im Coming-Out und neugierigen Heteros soll die Angst genommen werden, zu einer solchen Gruppe zu kommen. Nach den StuPa-Wahlen '92 ändern sich die politischen Verhältnisse, und im neuen AStA gibt es kein Schwulenreferat mehr. Das Gründungsteam der SLI hat sich weitgehend aus der aktiven Arbeit zurückgezogen, für Lesben scheinen Alternativangebote an der Uni interessanter zu sein. Außer der Mitorganisation eines "Aktionswochenendes gegen antischwule Gewalt" gibt es kein festes Programm. Nach einigen Wochen mehr oder weniger gut besuchter Gruppentreffen überlegen sich die Übriggebliebenen, wie man die SLI wieder attraktiver gestalten könnte.

SLI wird zu SODOM

Kurzfristige Lösung: Statt wöchentlicher nur noch vierzehntägige Treffen, bei denen sich Gruppenabende und Veranstaltungen möglichst abwechseln sollen, eine neuer und verkleinerter Sprecherrat und ein öffentlichkeitswirksamerer Name. Die Suche danach gestaltet sich langwierig und schwierig, doch zum Semesterende steht fest: Mit Beginn des SoSe 1993 heißt SLI dann SODOM. In diesem Semester findet in Zusammenarbeit mit den LSD u. a. eine Veranstaltung mit dem Thema "Hochzeitsglocken für Schwule und Lesben" statt. Der Sommer '93 steht im wesentlichen im Zeichen der Organisation des CSD im Ruhrgebiet, der in Dortmund stattfindet. Außerdem wird eine Führung durch die Steinwache angeboten. Zu Beginn des Wintersemesters trennt man sich dann auch nominell von den Lesben, nachdem mehr als ein Jahr keine echte Frau mehr aufgetaucht ist.

Die Gruppe ist wieder auf mehr als 15 Personen angewachsen, Ideen und Motivation reichen wieder aus, sich wöchentlich zu treffen, und auch die Medien sind aufmerksam geworden: "Homo Laber" sendet ein Special. Erstmalig gibt es eine Sub-Tour durch Dortmund, für alle, die sich alleine nicht trauen, die Szene zu erkunden oder die es ohne Begleitung zu langweilig finden. Nach zweieinhalb Jahren gibt es endlich wieder eine Fete. Kernthema des Semesters ist allerdings "Sch(w)ulbildung", eine dreiteilige Veranstaltungsreihe, die sich mit männlicher Homosexualität in Schule und Jugendarbeit beschäftigt.

April, April, ein neuer Referent

Am 1. April 1994 gibt es dann auch wieder AStA-Unterstützung. Christof Sauer, seit längerer Zeit bereits im SODOM-Sprecherrat, besetzt für Regenbogen die neugeschaffene Stelle des Schwulenreferenten. Thematisch gibt's "Schwule im (Un-)Recht" und man stellt sich die Frage "Wie sag ich's meinen Eltern?", ein Treffen, aus dem sich ein engerer Kontakt zu Elterngruppen im Ruhrgebiet entwickelt.

Mit Semesterende verläßt SODOM seinen Treffpunkt im Fachschaftsraum Bauwesen auf dem Campus Süd und zieht in den zentraler gelegenen Fachschaftsraum Primarstufe in der Emil-Figge-Straße 50 um. Das neue Ambiente scheint sich positiv auf die Kreativität auszuwirken. Das WS 94/95 ist das aktivste, das es je gegeben hat.

8 Veranstaltungen + 2 Feten + Beteiligung an den Dortmunder Veranstaltungen zum Welt-Aids-Tag = durchschnittlich jede Woche eine Veranstaltung. Außerdem wird von einigen Leuten im Januar eine große Diskussion über Zukunftsperspektiven von SODOM angeregt. Ergebnis ist u. a., daß bei soviel Arbeit andere Aktivitäten zu kurz kommen und daß der Kontakt speziell zum Schwulenreferat an der Uni Bochum verstärkt werden soll. Beide Aspekte spiegeln sich im Sommerprogramm 95 wieder: Drei Gemeinschaftsveranstaltungen mit der RUB, darunter auch eine kleine Reihe zum Film "Erdbeer und Schokolade" und dessen Autor.

Doch es läuft nicht alles ganz so reibungslos wie geplant. Nur mit größerer Mühe läßt sich die neue AStA-Koalition davon überzeugen, daß auch in der politischen und gesellschaftlichen Situation des Jahres 1995 eine ganze Stelle für das Schwulenreferat notwendig ist.

SODOM heute

Heute zählt SODOM zu den aktivsten Schwuleninitiativen im Ruhrgebiet und ist eine der größten schwulen Unigruppen Deutschlands.

5 Jahre SODOM soll aber nicht nur ein Zeitpunkt für Rückblicke sein, sondern auch für Ausblicke in die Zukunft. Unter diesem Motto stehen die Veranstaltungen des kommenden Semesters ...

[zuerst erschienen im "SODOM Semesterprogramm", WS 95/96, S. 3 - 4]