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Das wöchentliche Café von SODOM - ein Konzept wird ein Jahr alt

von Oliver Geppert

Die Lebenserwartung einer Gruppe an einer Universität ist in aller Regeln nicht sehr hoch. Aus gegebenen Anlässen heraus bildet sich eine Kerngruppe, die maßgeblich organisiert und in Aktion tritt. Nach Außen hin "offene Gruppen", sind diese Kerne doch nicht auf erstem Blick durchschaubar und wirken abschreckend. Besucht jemand eine Gruppe, an der Interesse gefunden wurde, so gleichen innerhalb des Kernes laufende Diskussionen den Ausführungen von Veterinärmedizinern über das Propellum bei Rindern. Die Kerne überaltern und irgendwann ist auch das letzte Diplom vergeben. Nachwuchs ist selten.

Noch vor einem Jahr sah es bei SODOM ähnlich aus: eine funktionierende Gruppe dünnt und stirbt aus. Bei einem Alter von acht Jahren (bzw. sechs als reine Schwulengruppe), kann nicht wirklich gehofft werden, die sagenhaften Gründerinnen und Gründer noch an der Uni anzutreffen! Wo aber bleibt der Nachwuchs? Nachwuchsmangel ist für Schwule doch nichts Ungewöhnliches, mag jetzt geunkt werden. Da aber der heterosexuelle Bevölkerungsanteil mit der Produktion homosexueller Menschen weiterhin nichts zu tun haben möchte, müssen die vielen Versuche der Selbstbestäubung und Knospung, des Fingernagelkauens und der Haarspalterei doch fruchtbar gewesen sein.

So wurde die Idee geboren, die Offenheit von SODOM nicht nur immer wieder zu betonen, sondern auch eine Art freundliche Schnittstelle zum Kern zu bieten. Mit Käse und Speck fängt man Mäuse, Schwule mit Zitronenröllchen und Sahneschnittchen. Anfang letzten Sommersemesters wurde LeCafé aus der Traufe [!] gehoben. LeCafé ist, obwohl das immer wieder verwechselt wird, keine neue Schwulengruppe, sondern integraler Bestandteil von SODOM. Während der Zeiten des Cafés gibt es Kaffee, Tee und Kuchen, aber garantiert kein Planungskauderwelsch! Dies hehre Ziel hatten wir uns am Anfang vorgenommen und bis heute auch ziemlich gut durchgehalten. Ein früheres Schwulencafé war nämlich genau daran zugrunde gegangen, daß interne Planungen einfach nicht zur Unterhaltung beitragen wollten.

Gab es das Jahr davor vielleicht fünf neue Leute, die mal bei uns hereingeguckt haben, von denen zwei oder drei häufiger kamen, hat uns das neue Konzept einen spürbareren Zulauf gebracht: im letzten Jahr schauten 15 bis 20 Leute neu bei SODOM vorbei, von denen ein Dutzend inzwischen regelmäßig kommt. Der anfangs erwähnte Kern kann es sich nun auch mal erlauben, keinen Kuchen zu backen, da der Nachwuchs, trotz aller Vorbehalte gegen die heutige Jugend, auch mit Dr. Ö. umzugehen versteht. Unbefangene Auskunft über die Qualität der Verpflegung kann übrigens gerne über die HeMas (heterosexuellen MathematikerInnen) der Fachschaft Mathe eingeholt werden, deren Sofas wir benutzen dürfen.

LeCafé heißt natürlich nicht, daß es jetzt keine anderen SODOM-Veranstaltungen oder gar keine Planungen mehr gibt! Ausgewählte Veranstaltungen und Themenabende gibt es alle zwei, drei Wochen im Anschluß an LeCafé, Planungen finden, herzschonend, an gesonderten Terminen statt.

So konnte SODOM im letzten Jahr sehr erfolgreich die schwule Grundversorgung bieten, die wir uns vorgenommen hatten: Schwulen, die neu an der Uni sind oder sogar hier an der Uni ihr Coming-out haben, eine Anlauf-, Austausch- und Informationsstelle zu bieten, die eine möglichst niedrige Hemmschwelle hat. Der Erfolg zeigt sich nicht nur an der großen Akzeptanz von LeCafé, sondern auch daran, daß von den Neuen schon Vorschläge und Wünsche für Veranstaltungen und Aktionen kamen, so daß SODOM und LeCafé für das nächste Jahr in eine rosa Zukunft blicken können!

Wir wünschen allen Studierenden, Dozierenden und sonstwie Laborierenden eine angenehme und spaßige vorlesungsfreie Zeit, mit einer Ausnahme: der Person, die in letzter Zeit dauernd Plakate und Flugblätter von unserem Informationsbrett entfernt. Dieser Person wünschen wir nämlich die Einsicht, den Intellekt also, daß wir noch einen riesen Vorrat an den Dingern haben >:->

Informationen über SODOM -Veranstaltungen findet ihr an unserem Info-Brett im Foyer der EF 50 (ehem. PH) und über unsere Webseiten: http://fsinfo.cs.uni-dortmund.de/~SODOM

[erschienen im "Konsum", Nr. 2, Februar 1999, S. 13 - 14]