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Hallo Erstsemester!

von Oliver Geppert

Der Campus der Universitšt ist schon ein fruchtbares Gelände: Schossen und sprossen im Frühling noch Blumen und zartes Grün um die Wette, mußte man im Sommer darauf achten, nicht auf die fleißigen Ameisen zu treten, schreien im Moment wieder sintflutartige Ergüsse von Erstsemestern nach Beachtung.

"Wo geht's denn hier zur Einschreibung?" "Wie bekomme ich BAföG?" "Wie sieht mein Stundenplan aus?" Die erfahrenen Studierenden weisen den Weg und stehen dann, kopfschüttelnd das Treiben betrachtend, zusammen und sind sich einig, daß man selber damals als Ersti nicht so schlimm gewesen sein kann!

Ein Studium zu beginnen bedeutet für viele aber nicht nur, daß man orientierungslos durch die Gegend rennt. Man sucht sich in Dortmund ein Zimmer, eine Wohnung. Alte soziale Beziehungen brechen auf, neue werden geknüpft. Viele erfahren erstmalig die Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen, ohne die Familie im selben Haus, die Freunde und Bekannten im selben Ort, ohne bestimmte Erwartungen, die das alte Umfeld von einem erfüllt sehen möchte.

Sich einzugestehen, daß man schwul ist, ist eine Sache. Schwul zu leben, für alle sichtbar oder nur im Kreis einiger Freunde, ist eine andere. Im bisherigen Leben war das für viele (scheinbar) nicht möglich: "Meine Eltern würden durchdrehen!" "Die Nachbarn würden tratschen!" "Meine Freunde im Kegelklub würden mich verspotten!" "In eine Schwulenkneipe gehen? Wenn mich jemand sieht, der mich kennt!" "In unserem Dorf schwul leben? Unvorstellbar!"

An der UniDo gibt es SODOM. Was ist SODOM? Biblische Stadt, die aufgrund des nicht näher bezeichneten aber garantiert sündigen Lebens ihrer Einwohner vom Erdboden getilgt wurde? Weniger: SODOM ist die Schwuleninitiative an der UniDo und das seit über sechs Jahren.

Die wöchentlichen Treffen von SODOM waren für viele Schwule, die neu an die Uni kamen oder solche, die ihr Schwulsein gerade erst entdeckten, die erste Gelegenheit überhaupt, andere Schwule kennenzulernen, sich auszutauschen.

Aufgrund der guten Erfahrungen in der Vergangenheit, will SODOM auch weiterhin Anlaufpunkt für das schwule Leben an der UniDo sein. Dazu dienen der allsemestrige Erstsemesterempfang, zu dem auch alle anderen herzlich eingeladen sind, sowie diverse andere Veranstaltungen, wie z. B. die berühmte Tour durch die Dortmunder Sub, Filmabende, Diskussionsveranstaltungen und vieles mehr.

Wer von Euch also schwul ist, glaubt, schwul zu sein, oder einfach nur Schwule kennenlernen möchte, der darf gerne zu unseren Treffen vorbeikommen. Wenn Ihr ganz viel Glück habt, dann lernt Ihr nicht nur nette Leute kennen, sondern bekommt auch noch einen Kaffee!

[Wintersemester 97/98]